Stele aus Muschelkalk

Arbeiten einer Stele aus Muschelkalk

Vom Entwurf bis zur Bestimmung

 

  1. Unser Kunde hatte auf dem Friedhof eine Stele gesehen, die ihm sehr gut gefiel.

    Der Steinmetz oder Bildhauer, der sein Werk aus Berufung ausführt, ahmt nicht einfach das Werk eines anderen nach − in Zeiten der strengen Gilderegeln stand das sogar unter Strafe. Die Ehre und der Respekt gebieten darüber hinaus, dass ein fremdes Werk nicht einfach nachgeahmt wird − es gibt genügend Möglichkeiten, einen ähnlichen Entwurf zu gestalten.
    Heutzutage gibt es einige Firmen, die ihre Werke schützen lassen − als Geschmacks- oder Gebrauchsmuster. Somit entsteht ein  Wettbewerbsrecht, das ebenfalls die originalgetreue Nachahmung eines Werkes unter Strafe stellt.

    So haben auch wir entsprechend dem Wunsch des Kunden für eine Grabstele einige Entwürfe ähnlich der gesehenen Stele gefertigt und zur Auswahl vorgelegt.

    Entwurfsskizze

    Zusammen mit dem Kunden wurde weiter überlegt, wie die endgültige Form aussehen soll und beim Zeichnen entstand dann der fertige Entwurf.

    Entwursskizze

    Klar sichtbar wird hier schon, dass der Stein „wie natürlich gewachsen“ wirken wird.
    Unser Kunde war begeistert und beauftragte den Stein, der als grobes Stück aus dem Steinbruch geholt wurde.

  2. Der rohe Block wurde auf unserer Säge auf die erforderlichen Außenmaße gesägt. Das vorgesägte Stück wird auf einen Bock aufgebänkt und zum besseren Bearbeiten  vorgenässt.

    aufgebänktes und vorgenäßtes Sägestück

  3. Dann beginnt die Handarbeit: Um die Flächen so zu bearbeiten, dass die gewünschte Form entsteht, müssen immer bestimmte Schritte in bestimmter Reihenfolge angewendet werden. Wichtig ist natürlich, dass nicht zuviel weggearbeitet wird − denn anflicken geht nicht.

    So wird nun zunächst an einer angezeichneten Linie entlang ein so genannter Randschlag gezogen − in alter Tradition mit einem Meißel.

    Ein Randschlag wird gezogen

  4. Um über das ganze Stück die übersicht zu behalten, geschieht das an den erforderlichen Seiten (hier 2 Seiten).

    Stein mit gezogenen Randschlag

    zwischenzeitlich wird die Arbeit immer mit einem Richtscheit  kontrolliert, damit nichts „schief“ läuft.
    Es ist schon beim Sägen und jetzt beim Bearbeiten wichtig, die Maße genau einzuhalten und mit äußerster Sorgfalt zu arbeiten. Aus einem  Millimeter Differenz kann sonst bei einer Steinlänge von 150 cm eine Differenz von 1 cm entstehen.

    So wird auch beim Arbeiten der 3 Seite kontrolliert, ob die Winkel stimmen und der Randschlag mit der Gegenseite synchron verläuft.

    Hier nun der 3. Randschlag:

    Rohstück mit Randschlägen

  5. Nun geht es etwas gröber voran, um effektiv viel Material wegzuarbeiten. Am Besten geht dies immer noch von Hand mit Fäustel und Spitzeisen. Gezielt werden die angesetzt und die Form  heraus gearbeitet.

    Stein wird mit einem Spitzeisen gezielt behandelt

  6. Die grobe Oberfläche wird nun fein mit einem Stockeisen bearbeitet und eingeebnet. Die Form wird immer deutlicher. Danach bekommt die Oberfläche eine Bearbeitung mit dem Riffler.

    Stein wird mit einem Riffler bearbeitet

    Auf dem nachfolgenden Detailbild sieht man das sehr gut.

    Stein wird gestockt, Detailansicht

    Der obere Teil der Stele ist in die richtige Form gebracht, die Vorderfläche ist gespannt.

    gespannte Vorderseite

  7. Nun wird der untere Teil angepasst, der wieder grob gespitzt wird.

    Übergang zum gespitzen Fuß

    Und noch ein paar Bilder vom Spitzen, das Können und Ausdauer erfordert.

    Spitzen des Steines, Frontansicht

    Spitzen des Steines, Detail, seitlicht

  8. Der Kopf, also der obere Abschluss der Stele wird gearbeitet. Hier sieht man sehr schön, wie wiederum erst die Außenkontur − der Randschlag − die Fläche bestimmt, danach wird diese mit dem Beil eingeebnet (Beil liegt auf dem Stein). Dafür braucht der Steinmetz einen sicheren Schlag, der nur von geübter Hand ausgeführt werden kann, damit keine Macken auf der Fläche entstehen oder Ecken abgeschlagen werden.

    grob bearbeiteter Kopf des Steines

  9. Wenn nun die Flächen alle fertig sind, kann mit dem Ornament begonnen werden. Ausgewählt war ein großes Kreuz, das tief in den Stein eingemeißelt wird. Auch jetzt wird erst wieder der Rand genau gearbeitet, danach wird die Spitznut richtig tief ausgespitzt und dann die Wandungen gerade geschlagen.

    Es wird begonnen das Kreuzornament aus dem Stein heraus zu schlagen

    Das Kreuzornament wurde aus dem Stein herausgearbeitet

  10. Unsere Steine werden grundsätzlich zuerst in der Werkstatt aufgestellt. Von allen Seiten kann man nun noch einmal kontrollieren, dass die Kanten gerade verlaufen, dass die Flächen gleichmäßige übergänge aufweisen… um sicherzustellen, dass auf den großen Flächen nichts übersehen wurde und alles richtig ist. Auch das unterschiedliche Licht und dessen Schattenwirkung lässt sofort kleine Unregelmäßigkeiten erkennen, die dann noch fein nachgearbeitet werden.

    Gerade bei Steinen, die handwerklich gearbeitet sind, kann keine Maschine eingesetzt werden. Viele Feinheiten werden vom Auge entdeckt oder mit der Hand erfühlt, um dann den Eindruck zu erreichen, der bei solchen Arbeiten gewünscht ist: nämlich dass Form und Bearbeitung natürlich wirken und stimmig sind.

    Überprüfung des Stein von der Seite

    Erst nach dieser Schlusskontrolle verlässt der Stein unsere Werkstatt und wird auf den Friedhof gebracht.

  11. Die Fundamentarbeiten wurden schon im Vorfeld erledigt, der Stein kann aufgestellt werden. Zum Schluss noch die Kontrolle, dass der Stein im Lot steht.
    Mit der Wasserwaage kann nur an den ganz gerade verlaufenden Kanten das Lot überprüft werden. Die Stele hat vorn eine gespannte Fläche und verjüngt sich nach oben in der Vorderfläche. Für die Wirkung wird daher auch von vorn mit dem Auge geprüft, ob der Stein richtig steht. Ein guter Steinmetz hat ein geschultes Auge und richtet den Stein danach aus.

    Der Stein wird aufgestellt und mit Wasserwage überprüft

    Im Anschluss daran wird das Grab hergerichtet, Erde geharkt und − wenn vorhanden − Blumen gepflanzt. Bei Bedarf, sollte z.B. der Angehörige nicht bepflanzen können, übernehmen wir das gern auch und legen eine Bepflanzung an, die dann auf den Stein und auf  den Geschmack des Angehörigen abgestimmt ist.

    Sehen Sie selbst: wir hinterlassen keine „Baustelle“, obwohl hier gearbeitet wurde. Was steht, ist ein Kunstwerk und dazu gehört auch für uns die saubere Umgebung.

  12. Und so sollte es sein: ein Stein in Form und Bedeutung gebracht, aufgestellt und sauber dargestellt.
    Ein Stein des Gedenkens für einen lieben Menschen.

    fertig augestellter Stein auf wiederhergerichteten Grab